Seit dem vergangenen Samstag finden in Prag die 12. Floorball-Weltmeisterschaften der Herren statt. Mit dabei aus Sachsen-Anhalt sind gleich sechs Spieler. Tim Böttcher, Sascha Herlt, Matthias Siede, Philipp Weigelt (UHC Weißenfels), Max Blanke (Weißenfels/Davos) und Ramon Ibold (Red Devils Wernigerode) gehören zum Kader der Herren-Nationalmannschaft.

 

Die deutschen WM-Nationalspieler aus Sachsen-Anhalt (v.l.): Sascha Herlt, Matthias Siede, Philipp Weigelt, Max Blanke, Ramon Ibold und Tim Böttcher. (Text u. Fotos: Stefan Thomé/MST-media)

 

 

Sachsen-Anhalt hat wichtige Führungsrolle im Team

Wie wichtig die sechs Spieler aus Sachsen-Anhalt für die deutsche Mannschaft sind, beschreibt Co-Bundestrainer Matthias Gaffner: „Die Jungs aus Weißenfels und Wernigerode haben viel Erfahrung. Einerseits durch ihre zahlreichen Nationalmannschaftseinsätze von Tim, Matthias, Sascha und Ramon - aber auch über ihre Vereine, mit dem sie Meisterschaften und diverse internationale Turnier erfolgreich bestritten haben. Die Männer aus Sachsen-Anhalt bringen von daher ein starkes Selbstverständnis mit, das jeder Mannschaft gut tut.“

 

Kurriose Vorrunde vor Rekordkulisse

Die Vorrunde hat Team Deutschland am Dienstag beendet. Gegen Gastgeber Tschechien durfte die deutsche Mannschaft am Samstagabend das Eröffnungsspiel bestreiten. Vor mehr als 12.000 Zuschauern. Das war nicht nur eine Rekordkulisse für ein Vorrunden-Duell. Vor so vielen Zuschauern hat zuvor noch nie ein deutscher Spieler auf dem Feld gestanden.

MDR: Floorball-WM lockt 12.000 Zuschauer

Unter Kapitän Tim Böttcher überraschte Deutschland mit einer couragierten Vorstellung. Die Außenseiter spielten bis Mitte des zweiten Drittels auf Augenhöhe, gingen bis zum 3:2 sogar dreimal in Führung (26. Minute). „Dann haben wir das Spiel aus der Hand gegeben“, ärgerte sich Böttcher.

Tim Böttcher jubelt.

Die 5:10-Niederlage fiel nach seinem Geschmack einige Tore zu hoch aus. „Es waren Kleinigkeiten, die gefehlt haben. Eine Mannschaft wie Tschechien nutzt jeden Fehler eben sofort aus. Da haben wir eine große Chance vertan“, findet der Verteidiger.

Ramon Ibold stimmt ihm zu: "Wir hatten uns viel fürs Eröffnungsspiel vorgenommen. Wir wollten alles in die Waagschale schmeißen. Es hat uns dann selbst überrrascht, dass wir das so gut gemacht haben. Mit etwas mehr Disziplin und Mut nach dem 3:2 wäre ein besseres Ergebnis möglich gewesen."

Ramon Ibold.

"Dennoch", so Kapitän Böttcher, "war es wichtig für uns, ein gutes Zeichen zu setzen, nicht nur für die Zuschauer sondern auch für uns selbst. Die ersten 20, 30 Minuten waren sehr gut. Und vor so einer Kulisse, das war ein schöner Auftakt, ein erster guter Schritt.“ 

Max Blanke, der gegen Tschechien noch nicht zum Einsatz kam, sprach von großer Nervosität beim Einspielen. „Da ist mir fast nichts gut gelungen und ich fühlte mich total beobachtet“, gab er lachend zu, wie sehr ihn diese Kulisse beeindruckte. Derzeit absolviert der 24-jährige Stürmer eine Auslandssaison in der Schweiz bei den Iron Marmots Davos-Klosters.

Max Blanke.

Deftige Niederlage gegen die Schweiz

Am Sonntag durfte Blanke dann selbst ran. Bei seinem WM-Debüt vor rund 4000 Zuschauern traf der Legionär auf einige ihm bekannte Gesichter aus der Schweizer Liga. Es folgte allerdings eine desolate Vorstellung Deutschlands gegen die mehrfachen und aktuellen WM-Dritten. 1:13 hieß es nach 60 Minuten.

Kapitän Böttcher äußerte sich selbstkritisch: „Wir wollten an die Leistung gegen Tschechien anschließen, wollten die Schweizer mehr ärgern, haben uns jedoch unter Wert verkauft.“ Er persönlich gehe sogar in jedes Spiel mit dem Ziel, zu gewinnen. „Aber das Match gegen Lettland war schon wichtiger.“

Philipp Weigelt.

Krimi gegen Lettland

Am Montagmittag lieferte Deutschland gegen die Letten eine kämpferische Leistung ab. Einen 1:3-Rückstand nach zwei Dritteln wurde im Schlussdurchgang zum 5:4-Sieg gedreht. Dieses Mal vor 4.200 begeisterten Zuschauern. Darunter zahlreiche Schulklassen, die sich auf die Seite der deutschen Fans schlugen.

Sascha Herlt nach dem Spiel: "Wir waren alle 100 Prozent im Spiel und haben füreinander gekämpft. Wir haben hinten die Bälle gut vom Tor weggehalten, haben gesehen, dass etwas geht und haben den Platz genutzt. Der Teamgeist ist sehr gut. Jeder kämpft für jeden. Jeder ist heiß darauf, das Spiel zu gewinnen und die Reservespieler bauen die erste und zweite Reihe hinter der Bande auf. Mit diesem Sieg gegen Lettland beginnt für mich die WM so richtig."

Mit dem Erfolg leistete Deutschland zudem WM-Gastgeber Tschechien Schützenhilfe. Die Gastgeber hatten am Sonntag gegen Lettland überraschend verloren. Es drohte bei einem lettischen Sieg gegen Deutschland der dritte Platz und damit ein harter Gegner im Viertelfinale: Weltmeister Finnland oder Rekordweltmeister Schweden.

Matthias Siede.

Wie sieht der mögliche deutsche WM-Weg aus?

Gewinnt die Schweiz am Dienstagabend (4. Dezember/19.30 Uhr) das letzte Vorrundenspiel gegen Tschechien, muss Deutschland als Gruppenvierter in die Zwischenrunde. Dort wartet dann am Mittwoch höchstwahrscheinlich die Slowakei als Gegner. Bei einem Sieg Tschechiens oder einem Unentschieden ist Deutschland Gruppendritter und trifft im Playoff dann auf die vermeintlich leichteren Gegner Kanada oder Singapur.

Bei einem deutschen Erfolg im Playoff geht es am Freitag dann im Viertelfinale gegen Schweden oder Finnland weiter. Eine Playoff-Niederlage führt Deutschland hingegen in die Platzierungsrunde um die Ränge neun bis zwölf.

Sascha Herlt 

Schon jetzt ein unvergessliches Erlebnis

Ibold schwärmt indes schon jetzt vom Erlebnis WM: "Es ist echt super hier, alles ist top organisisert. So Spiele wie gegen Tschechien oder Lettland, das sind Gänshehautmomente für jeden von uns. Klar, die Athmospähre beeindrächtigt auch unser Spiel, man hört seine Teamkameraden schwerer. Aber die Stimmung von außen war ja selbst im Match gegen Tschechien nicht negativ. Unter solchen Umständen will jeder von uns spielen. Dafür nehmen wir die ganzen Strapazen auf uns."

Und was ist das Ziel bei dieser WM? "Offiziell das erreichen des Viertelfinals, dann schauen wir von Spiel zu Spiel", sagt Ibold. Und inoffiziell? Ibold lacht: "Das kann ich nicht preisgeben."

Begleitet werden die Akteure unseres Landesverbandes übrigens von zahlreichen Fans. So sind seit Samstag unter anderem die Familien von Tim Böttcher und Mathias Siede Dauergäste unter den WM-Zuschauern. Zudem werden über die WM-Woche zahlreiche Floorball-Fans aus Sachsen-Anhalt ihre Spieler im WM-Rund anfeuern. (st/Fotos: MST-media)

 

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